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Grosse Sorge um die Gesundheit ihres Mannes führte Adelheid Woller in eine psychische Ausnahmesituation. Die Psychiatrie Baselland diagnostizierte eine psychotische Störung. In der Privatklinik stabilisierte sich der Zustand der Patientin.

Die Geschichte von Adelheid Woller (Name geändert) klingt aussergewöhnlich: Sie erzählt, wie sie eines Tages im Frühling 2021 die Ambulanz rief, weil es ihrem Mann Franz Woller schlecht ging. Er hatte Kopfweh und war früher schon einmal zusammengebrochen. Vorher hatten die beiden einen heftigen Streit. Den Rettungssanitätern fiel jedoch nicht der Mann auf, sondern Adelheid. Denn sie war sehr nervös und in grosser Sorge um Franz. "Ich habe laut herumgerufen", erinnert sie sich, und die Helfer hätten ihr gesagt, sie würde wirres Zeug reden.

In den Notfall kommt Ehefrau statt Ehemann

Adelheid Woller steigerte sich immer mehr in eine psychische Ausnahmesituation, die sie komplett überforderte. Dann sei zur Sprache gekommen, dass sie früher einmal Symptome von Multipler Sklerose (MS) gehabt habe. "Da klingelten bei den Rettungsleuten die Alarmglocken", erzählt sie. Eine herbeigerufene Ärztin wollte, dass sie in die Notfallstation des Bruderholzspitals eingeliefert werde. Die Medizinerin befürchtete offenbar, die Frau leide unter einem MS-Schub. So kam es, dass statt der Ehemann die Ehefrau vom Krankenwagen ins Spital gefahren wurde.

In den nächsten Stunden steigerte sich die emotionale Notlage von Adelheid Woller. Ängste ergriffen sie aus scheinbar banalen Gründen: Sie hatte keinen Hausschlüssel und kein Portemonnaie bei sich. Einige Tage später wird der Arzt in der Psychiatrie Baselland (PBL) eine "Akute vorübergehende psychotische Störung" diagnostizieren.

Akute Krise in der alterspsychiatrischen Abteilung beigelegt

Vom Bruderholz kam die knapp 70-jährige Frau und Mutter von erwachsenen Kindern direkt in die alterspsychiatrische Abteilung A2 der PBL in Liestal. Hier werden Patientinnen und Patienten mit akuten organisch bedingten psychischen Störungen im Alter behandelt. Ihr Mann begleitete sie. Er habe den PBL-Mitarbeitenden gesagt, erinnert sich Adelheid Woller, sie sollten ihr etwas zur Beruhigung geben und einstweilen hier behalten. "Ich war ständig auf 180 und machte mir Sorgen um meinen Mann", erzählt die Frau.

Den Fachkräften in der Abteilung A2 gelang es, ihren Zustand etwas zu stabilisieren. "Sie war stets in grosser Angst um ihren Ehemann und dachte, er würde sterben", erinnert sich Pflegefachfrau Isabelle Vizi. In vielen Gesprächen und mit Validation konnte die Krisensituation der Frau schliesslich bewältigt werden. Validation sei eine Umgangstechnik, erläutert Isabelle Vizi, die sich speziell an dementiell erkrankte Menschen richtet. Ihnen wird damit eine "unbedingte Wertschätzung" entgegengebracht, was das Wohlbefinden und die Autonomie der Betroffenen fördert.

Verlustängste und wahnhafte Vorstellungen

Nach einer Woche auf dem A2 wechselte Adelheid Woller in die Privatklinik der PBL. Sie war immer noch aufgewühlt, hatte wahnhafte Vorstellungen und Ängste. "Mir war Bange wegen der Kosten, die mit dem Aufenthalt in der Privatklinik entstehen, und ich hatte auch mein Portemonnaie nicht mehr gefunden." Zudem fürchtete sie um ihren Mann: "Wenn ihm etwas passieren würde, dann wäre ich ja total auf dem Abstellgleis. Ich hatte so komische Fantasien".

Freundliche Umgebung in der Privatklinik

In der Privatklinik fühlte sich Adelheid Woller wie in einem "Grand Hotel". Man sei sehr zuvorkommend mit ihr gewesen. "Ich bin noch nie so gut umsorgt worden wie hier", sagt sie. Allerdings habe sie sich bei "Herrn Brefin etwas blöd angestellt, da ich die Medis nicht schlucken wollte". Lukas Brefin ist stellvertretender Abteilungsleiter Pflege in der Privatklinik.

"Alles schien sie zu überfordern und in Angst zu versetzten", erinnert er sich an die Patientin. Mit der richtigen Medikation, vor allem durch intensiver Beziehungsarbeit, habe sich ihr Zustand dann aber sehr rasch verbessert. "Sie war bereits nach wenigen Tagen recht zugänglich und hatte Vertrauen in uns gefasst". Adelheid Woller habe sich offen für Anregungen und therapeutische Interventionen gezeigt und ihre Gewohnheiten aus einer gewissen Distanz anschauen könnn. "Gemeinsam konnten wir verschiedene Bereiche ihres Lebens herauspicken, um Veränderungen in der Einstellung und den Gewohnheiten herbeizuführen", so das Fazit von Lukas Brefin.

Auch Assistenzarzt Marc Geiger erinnert sich: "Wir konnten ihre Ängste gut angehen", zuerst mit Medikamenten, dann vor allem in Gesprächstherapien. Eine Magnetresonanztomographie (MRI) des Gehirns brachte keine Hinweise auf mögliche Ursachen ihrer psychischen Probleme.

Tageweise in der Privatklinik

"In der Privatklinik habe ich mich sehr schnell wieder erholt", erzählt Adelheid Woller. Nach ihrem Austritt kam sie für einige Zeit noch einmal pro Woche als tagesklinische Patientin in die Privatklinik für Gespräche und Ergotherapie. Marc Geiger beurteilt heute die psychische Verfassung seiner Patientin als stabil, sie habe keine wahnhaften Symptome mehr. Derzeit geht sie noch in ambulante Therapie bei einem frei praktizierenden Psychologen.

Rückblickend bezeichnet Adelheid Woller ihre psychische Ausnahmesituation als "blöder Zwischenfall" und "komische Geschichte". Und sie ist überzeugt, dereinst wieder auch ohne Medikamente leben zu können.

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